Die Sache mit den Spuren.

In letzter Zeit ist's in, hipp oder einfach nur modern geworden, nachzuforschen, in seiner Vergangenheit, gar in seiner Kindheit eifrig zu wühlen. Auch der große Meister beim Schreibseminar wollte es so, Spurensuche sollten wir betreiben und alle Gedanken, die uns an diesem Vormittag beschäftigen, die so kommen und gehen, klar oder diffus, wohlwollend oder ärgerlich, sollten wir niederschreiben. Und überdies auch noch zum Besten geben, so uns danach zumute ist.

Ich hab's mir einfach gemacht, schon lange vorher. Als ob ich gewusst hätte, dass diese Situation einmal auf mich zukommen würde, habe ich von jeher aus dem Vollen geschöpft, habe die Möglichkeiten der deutschen Sprache leidlich bemüht. Habe meine Weste beschmutzt, mich von klein auf oft und deutlich sichtbar bekleckert. Habe Glas zerbrochen, Prügel vor des Feindes Füße geworfen und in stimmigen Momenten Steine aus dem Weg geräumt. Bislang war es mir nicht vergönnt, Berge zu versetzen, doch bin ich jung, da kommt noch was.

Und wenn dereinst mein letztes Stündlein schlägt, also kurz danach, werd' ich noch eins drauf setzen und der Welt eine letzte Marke hinterlassen. Voll der guten Hoffnung, dass meinem letzten Wunsche entsprochen wird, soll meine Asche durch die Lüfte sausen, von hohen Winden weit getragen und Irgendjemands weiße Weste anpatzen oder, so er's braucht, auf seinem weisen Haupt sich niederlassen. Zufrieden mit so viel Spuren werde ich alsdann lächelnd annehmen, was die Schöpfung aus meinen Karmapunkten macht. Da Gott bekanntlich ja nicht würfelt, so meinte der kluge Albert Einstein, wird der oder die da oben reiflich überlegt entscheiden, ob ich als Amöbe oder Ameise, als Tiger oder Adler, als Feldmaus oder Hausschwein neue Spuren hinterlassen darf. Und auch in neuer Gestalt werde ich mich redlich bemühen, der Nachwelt geziemend Anlass des Gedenkens zu geben, und sei es nur, dass ich irgendwo hingacke, damit ein von der Müh' des Alltags geplagter Mensch, nach einem Rastplatz suchend, sich schimpfend darauf niederlassen kann. Wenn man's glauben darf, soll das ja Glück bringen. Ich bin es ihm von Herzen vergönnt.