(34) Schluss mit lustig.

 Kolumnentext in den OÖN vom Dienstag, 23. Februar 2021


Gerade mal eine Woche ist der Fasching vorbei und wir laufen immer noch maskiert herum. Aber nicht, weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Lustig war im heurigen Fasching im Grunde gar nichts und die eigenartige Stimmung hält blöderweise an. Ich sehe es als meine moralische Verpflichtung, einen bescheidenen Beitrag zur Belustigung der geplagten Österreicher zu erbringen. Auf die Österreicher beschränke ich mich primär aus sprachlichen Gründen, den unser eigenartiger Humor hat tatsächlich an den Grenzen seine Grenze. Vielleicht noch die Bayern, die mitlachen könnten, zurzeit aber haben wir, vor allem die Tiroler, ganz wenig Bock auf die Bayern. Die wollen sich gerade nicht mit uns amüsieren. Sogar dem eingefleischten Österreicher bliebe das Lachen im Halse stecken, wenn er wüsste, was es mit dieser Karnevalszeit historisch auf sich hat. Wahrlich eine furchtbare Sache für unser aller Kulinarik, ich habe mich erkundigt.

 

Der Begriff Karneval stammt vom lateinischen "carne vale", übersetzt "Fleisch, lebe wohl". Fasching hat also etwas mit der Fastenzeit zu tun. Diese dauert im Christentum von Aschermittwoch bis Ostern, immer 40 Tage lang. In der Zeit davor – also dem Fasching- finden meist ausgiebige Feiern statt, begleitet von Essen und Trinken. Theoretisch. Praktisch war diesmal nix mit Feiern, gegessen und getrunken haben wir dennoch im stillen Kämmerlein genug. Jeder soll mal selbst mit ehrlichen Angaben seinen BMI ausrechnen, da kommt bei manchen sicher Gänsehaut-Feeling auf.

Ich werde heuer nicht Fasten, aus Protest nicht, allein schon wegen der Maske nicht. Lustige Masken und Verkleidungen waren im heurigen Fasching ohnehin out, die unlustige FFP2-Maske und die Fastenzeit sind da keine echte Alternative. Außerdem habe ich, was die Fastenzeit betrifft, einen klassischen Fehlstart hin-gelegt. Obwohl ich wirklich kein Fleisch- und Wursttiger bin, zum Frühstück darf's ausnahmsweise mal ein Blatt Schinken oder ein gebratener Speckstreifen am Spiegelei sein. Und am Aschermittwoch war mir danach. Ich hab's eher gedankenlos gemacht, der Fauxpas ist mir quasi in der Unachtsamkeit passiert. Habe ein kleines, nur ganz kleines Stück vom Farmer-Schinken auf meine Buttersemmel gelegt und rechne jetzt mit dem Schlimmsten. Für einen gläubigen Katholiken, der ich trotz fehlender Club-Karte bin, bedeutet das, irgendwann in der Hölle zu schmoren. Ich habe ja bereits über meine Albträume das Fegefeuer betreffend berichtet, jetzt aber steigt die Wahrscheinlichkeit, dort wirklich antreten zu müssen. In meiner Verzweiflung hoffe und bete ich, dass man in der Hölle kulanterweise unterschiedliche Temperaturklassen abhängig von der Schwere der Verfehlungen anbietet. Ich male mir aus, es gäbe Platzkarten für jene, die sich ihrer Sünden bewusst sind und aufrichtig bereuen. Oder nur mal angenommen, ich werde ab sofort Veganer, bringt das Pluspunkte beim Sitzplatz auf dem Feuer? Eventuell am Rand, wo's nicht mehr ganz so heiß ist und zeitweise ein kühlendes Lüftchen weht? 

Zur Sicherheit grüße ich in diesen Tagen alle Mitmenschen höflich, steige vor-sichtig über Würmer und anderes Kleingetier, trage meine FFP2-Maske auch während der Nacht, in der Hoffnung, dass dies alles von höherer Stelle wohl-wollend registriert wird. Vielleicht schaffe ich es, mir die 80 Grad-Zone im Fegefeuer zu erarbeiten, diese Temperatur wäre ich aus der Sauna zumindest vorübergehend gewohnt. Die Frage nach einem erfrischenden Bier werde ich dort unten wohlweislich nicht stellen, die würden sich wahrscheinlich verarscht fühlen. Wäre aber nicht viel anders als derzeit bei uns, da kann ich auch nirgend-wo ein Bier bestellen. Also, warum dann vor dem Fegefeuer fürchten?

Um guten Willen zu zeigen, möchte ich in der Fastenzeit trotzdem auf irgendwas verzichten. Was gibt's, worauf wir in den letzten Monaten nicht ohnehin schon verzichtet hätten, was mir nicht wirklich weh tut und was trotzdem großen Eindruck bei den göttlichen Juroren macht? Da muss es doch was geben. Jetzt hab' ich's: Ich werde digital fasten und den Bits und Bytes gänzlich entsagen. Versuchsweise für eine Woche, man(n) soll's ja nicht gleich übertreiben. Kein Internet, kein Computer, kein Handy und kein Fernsehen. Aber erst ab morgen, denn heute interessieren mich noch Ihre Kommentare. Und sollte ich den Entzug überleben, gibt's demnächst einen Versuchsbericht.