(28) Versöhnung mit dem Christkind.

 Kolumnentext in den OÖN vom Dienstag, 15. Dezember 2020


Nein, ich bin nicht feige, sondern nur um Harmonie bemüht. Zugegeben, dass ich mich ausgerechnet heute, eine Woche vor dem Heiligen Abend mit dem Christ-kind versöhnen will, ist auch eine Vorsichtsmaßnahme. Ich möchte dem Total-ausfall an Geschenken entgehen, ich habe mir den einfach nicht verdient. Ich bin zwar mittlerweile gegen Weihnachten einigermaßen immun, aber wenn jemand gerne schenkt, dann bitte gerne, ich sträube mich nicht. Warum soll ich einen Mitbürger enttäuschen, der dem Glaubenssatz, dass Geben seliger als Nehmen ist, treu bleiben will? Also halten wir fest: ja, ich nehme die Geschenke gerne an.

Die Vorzeichen, dass ich heuer Besuch vom Christkind bekomme, stehen ganz gut, denn immerhin hat mich der Krampus ignoriert. Ein deutliches Indiz dafür, dass ich brav war. Allerdings hat auch der Nikolaus auf mich vergessen, doch ich schreibe das seiner Überlastung zu, anders kann’s nicht gewesen sein. Womit ich eine Freude hätte? Ach, da gäbe es so einiges. Weltfrieden zum Beispiel, die Abschaffung jeglichen Hungers, Heilmittel gegen alle schlimmen Krankheiten, allen voran gegen COVID und Krebs. Doch machen wir’s dem armen Christkind nicht so schwer, da gibt’s Dinge, die sind machbarer, viel leichter umsetzbar. Also, liebes Christkind, vergessen wir unsere Unstimmigkeiten, du hast völlig freie Hand, ich freue mich über (fast) alles.

 

Das mit dem Versöhnen, das muss tatsächlich was auf sich haben. Immer wieder macht's wer, und wenn's im Fernsehen passiert, kann es schon mal zum Weinen werden. Haben Sie das eigentlich schon mal versucht, dieses Versöhnen? Oder haben Sie das nie gebraucht? Ich würd's wirklich gerne probieren, bring's aber nicht so richtig hin. Was ist daran so schwer, warum will das nicht funktionieren? Männer weinen ja nicht, die haben in ihrer Kindheit ein Gelübde abgelegt, das gefälligst zu unterlassen. Die haben ihren Mann zu stehen, und richtige Männer haben ihre Gefühle im Griff. So wie Indianer keinen Schmerz kennen und bekanntlich nur die Harten durchkommen, so vergießen diese seltsamen Typen eben auch keine Tränen. Erst dann, wenn der Zug abgefahren ist, dann heulen sie richtig los.


Außerdem ist im Normalfall der andere schuld, so wäre eigentlich der dran, den ersten Schritt zu tun. Man(n) hat selbst kaum was falsch gemacht, nur ganz wenig. Nein, da lassen wir die Kirche schon im Dorf, der andere ist schuld. Und was hilft uns das? Nichts, gar nichts, denn Bauchweh haben wir ungeachtet des Schuldanteils trotzdem. Ein weiteres Problem gibt's noch. Warum spricht man von Versöhnen, wenn zwei Menschen eine Sache aus dem Weg räumen, einen Streit beilegen oder ähnlich Schönes zuwege bringen? Als wenn zwischen Mutter und Tochter immer alles rund laufen würde. Lustig klingt's zudem, wenn sich zwei Schwestern gegen den Vater verbrüdern. Da haben die Gender-Experten und -innen noch was zu bereinigen.

 

Apropos reinigen. Waschen Sie sich eigentlich täglich? Im Grunde geht's mich ja nichts an, aber denken Sie mal drüber nach. Wie viel Zeit verbringen Sie mit Körperpflege? Es gibt für fast alles Statistiken, so auch für's Waschen und der-gleichen. Herr Österreicher widmet 30, Frau Österreicher ca. 40 Minuten täglich der Körperhygiene. Was die Psychohygiene betrifft, gibt's keine vergleichbaren Zahlen. Vielleicht sind sie zu klein oder sie interessieren einfach keinen. Sollten sie aber, denn da gibt's vermutlich Verbesserungspotenzial. Vielleicht ist's ein erster Schritt, die Begriffe abzuklären, soviel Zeit muss sein. Dabei ist's ganz einfach definiert: Psychohygiene umfasst alle Maßnahmen, die geeignet sind, Geist und Seele gesund zu erhalten. Nur keine Panik, das ist durchaus kein unanständiges Ansinnen. Was beim Körper mittlerweile ganz normal ist, hat beim Geist einen eigenartigen Beigeschmack, etwas von abnormalem Verlangen, von Krankheit oder Weichei. Und das will man(n) auf gar keinen Fall sein.

Jetzt, wo ich mich mit dem Christkind versöhnt habe, geht's mir gleich viel besser. Ich überlege mir umgehend noch jemanden, mit dem ich das durchziehen möchte. Denken Sie nach, Ihnen wird sicher auch wer einfallen, der Ihnen am Herzen liegt. Es wär' grad ein sehr guter Zeitpunkt, was haben wir schon zu verlieren? Starten wir im Jänner wohlgelaunt, mit weißer Weste und frischen Texten ins neue Jahr. Also, brav daheimbleiben und achtsam sein. Prosit 2021.